Abstammung des GruenerVeltliner
Von den europ.Edelreben sind einige Tausend Variationen bekannt, welche allesamt durch die züchterische Bestrebung des Menschen geschaffen wurden und mit den Zivilisationen mitwanderten - vom Kaukasus nach Babylon, Persien, Ägypten, Griechenland, Rom, restl.Abendland, neue Welt. Vieles lag im Dunkel der Geschichte verborgen, bis die moderne Elektronik und Biotechnik Mitte der 90er es schaffte, für alle Lebewesen deren Verwandtschaftsverhältnisse wissenschaftlich eindeutig zu entwirren - in Klosterneuburg wurde die Rebesnorten genauer untersucht und man kam auf z.T. überraschende Ergebnisse ! Da das Wissen noch sehr jung ist, können noch einige Geheimnisse erst gelüftet werden.
Zum Veltliner allgemein :
Weisse Rebsorte. Synonyme: Grüner,
Weissgipfler, früher irrtümlich auch Grünmuskateller, Manhardsrebe, Veltliner, Zleni
Veltinac (ehem. Jugoslawien), Veltlinske zelené (Tschechien), Veltlini (Ungarn). Seine Herkunft ist unbekannt. Zwar gibt es andere
Veltliner-Typen wie den
Zur VeltlinerVerwandtschaft fand ich einen schönen Artikel von Dr. Michael Pronay, 2005:
Herkunftsmäßig verlieren sich die Spuren des Grünen
Veltliners in grauer Vorzeit. Geographisch dürfte er tatsächlich aus Österreich
stammen, auch wenn diesbezüglich nichts gesichert ist. Zwar deutet die Bezeichnung auf
das oberitalienische Valtellina hin - und in der deutschsprachigen Schweiz heißen die
dortigen Rotweine bis heute auch "Veltliner" -, aber der Grüne war dort nie
heimisch. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit hat der heute kaum mehr bekannte Agronom
Johann Kaspar Schiller (der als Vater Friedrich Schillers einen Platz in der
Literaturgeschichte hat) die in seinen "Ökonomischen Beiträgen" genannte
Sorte, den Roten Veltliner, damit gemeint. Der aber wiederum ist nicht mit dem Grünen
Veltliner verwandt, da ist sich die Ampelographie immer schon sicher gewesen.
Die heute möglichen genetischen Untersuchungen bestätigen die Erkenntnisse der früheren
Ampelographen und ergänzen sie um einige weitere Mosaiksteinchen. Insbesondere hat sie
die Rolle des Traminers
aufgedeckt, der selbst direkt von europäischen Wildreben abstammt. Der
Traminer hat bei
einer nicht unbeträchtlichen Anzahl heutiger Reben seine Finger - pardon, Gene - im
Spiel. Mit der minder noblen, heute praktisch ausgestorbenen Sorte "ÖsterreichischWeiß"
ist er für den Silvaner verantwortlich. Einer Kreuzung mit diesem
entspross der FrühroteVeltliner, einer
weiteren mit dem RotenVeltliner der Rotgipfler.
Mit dem PinotMeunier (der Müllerrebe, in Württemberg unter dem
missverständlichen Namen Schwarzriesling bekannt) wiederum steht er als Stammvater der Pinot-Sippe
fest. (Die Pinot-Sippe wiederum steht als ein Elternteil des Chardonnay fest, der andere ist Gouvais/
Gwäss/Heunisch.)
Aus einem Traminer-Sämling entstand der SauvignonBlanc.
Beim Grünen Veltliner - und damit sind wir wieder bei unserem Thema - ist der Traminer der halbe Elternteil; die andere Hälfte (ob eine Rebe oder deren
mehrere) ist bis dato unbekannt, es ist jedenfalls keine der heute gängigen Sorten. Die
schon früher vermutete Verwandtschaft zwischen Grünem Veltliner und Rotgipfler
läuft also indirekt über den Traminer.
Nun gehört aber der Hälftevorfahr Traminer zweifellos zu den noblen Rebsorten -
auch wenn sie heute nicht gerade hoch en vogue ist -, und auch die Liste der
Nachfahren liest sich wie ein Rebsorten-Gotha. Es ist also durchaus kein Wunder,
dass der Grüne Veltliner eine ganze Reihe nobler Eigenschaften aufzuweisen hat,
auch wenn sie bislang eher im Verborgenen geblüht haben. Einzig die
Langlebigkeit, die war - zumindest im Lande - längst bekannt. Der Veltliner
erweist sich da mit schöner Regelmäßigkeit nicht nur dem Riesling, sondern den
meisten anderen Rebsorten überlegen, das haben Weinproben aus legendären
Beständen immer wieder ergeben.
Stichwort: Roter Veltliner
Artikel von Dietmar Bruckner , 2009:
Dr. Ferdinand Regner von der HBLA Klosterneuburg konnte Mitte der 90er-Jahre aufgrund seiner genetischen Untersuchungen an einheimischen Rebsorten zeigen, dass dem Roten Veltliner eine „bedeutendere Elternrolle zukommt, als man aufgrund seiner heutigen Verbreitung vermuten würde“.
Der Neuburger wurde früher gerne als Burgunderabkömmling gesehen. Ob seiner geringen Reputation hat man versucht, ihm als Grünburgunder neues Leben einzuhauchen. Er ist mit knapp 1.100 Hektar Rebfläche das am häufigsten anzutreffende Mitglied der Veltliner-Familie und entstammt einer Liaison mit dem Grünen Sylvaner.
Der Frührote Veltliner galt lange Zeit als der kleine Bruder des Roten Veltliners, mit deutlich über 600 Hektar steht er an zweiter Stelle; er entspricht ebenfalls einer Kreuzung mit dem Grünen Sylvaner. Dann kommt mit knapp 260 Hektar der Ahnherr selbst, der erst nach dem Zweiten Weltkrieg dem Grünen Veltliner Platz machen musste.
In einem Weinbuch aus dem späten 17. Jahrhundert steht geschrieben, dass in Niederösterreich der Braune Veltliner (eine Spielart des Roten und heute nur noch in Spuren vorhanden) der „vorherrschende Satz“ war. Ausnahme war die Wachau, dort sorgte der Heunisch in seiner unnachahmlichen Art für den Spruch: „Sauer wie ein Wachauer.“
Der Rotgipfler ist definitiv eine Kreuzung Roter Veltliner mit Traminer und steht an vierter Stelle mit knapp 120 Hektar.
Auf nicht einmal 100 Hektar kommt schließlich der Zierfandler, bei dem die Elternschaft des Roten Veltliners mit Sicherheit nachgewiesen werden konnte, der zweite Elternteil hat Ähnlichkeit mit dem Traminer, harrt aber weiter der vollständigen Aufdeckung.
Der Vollständigkeit halber sei noch die Jubiläumsrebe (30 Hektar) erwähnt, bei der früher Blauer Portugieser und Blaufränkisch als Eltern angegeben wurden. Auch hier konnten Dr. Regner und seine Mitarbeiter Licht ins Dunkel bringen und eine Kreuzung aus Frührotem Veltliner mit Grauem Portugieser eruieren, was den Roten Veltliner in der Großelternrolle seinen Platz finden lässt.
Seit einiger Zeit geistert die Meldung durch das WorldWideWeb, dass der Rote diese Rolle evtl. auch beim Grünen Veltliner innehaben könnte, was von Regner „nie publiziert wurde“. Ganz im Gegenteil konnte er neben dem Traminer die Herkunft des zweiten Elternteils eingrenzen; dieser wurde nach seinem Auffindungsort „St. Georgen“ genannt. Von dieser weiterhin unbekannten Sorte führen keinerlei Spuren in Richtung Roter Veltliner, sodass der Grüne den Familiennamen Veltliner zu Unrecht trägt.
Also noch einmal in Kürze: Der Rote ist weder der „kleine Bruder“ des Grünen, wie immer noch gerne behauptet wird, noch steht Letzterer an der Spitze der Veltlinerfamilie – und aus.
Der Silvaner übrigens, diese urösterreichische
Sorte, ist wohl Mitte des 17. Jahrhunderts nach Franken ausgewandert und fristet
in Österreich mit 50 Hektar ein Dasein an der Wahrnehmungsschwelle.
Damit wissen wir zwar eine Menge über die genetische Potenz des Roten, aber
nichts über seine Herkunft. Dr. Regner meint, „dass er sicher von irgendwoher
ins Land gebracht wurde“, würde das Valtellin aufgrund eigener Untersuchungen
aber ausschließen. Spekulationen gehen „in Richtung Kroatien“, es steht aber
auch zu befürchten, dass ob seines Alters keine genauen Angaben mehr gemacht
werden können.
Heute erstreckt sich das Anbaugebiet von der Wachau (mit Rudi Pichler als
einzigem erwähnenswerten Produzenten, der aber heuer keine Probe geschickt hat)
über das Krems-tal, Kamptal, Weinviertel und den Wagram. Kleine Populationen
sind in Wien in gemischt ausgesetzten Weingärten zu finden. Hauptanbaugebiet ist
das westliche Weinviertel mit gut 100 Hektar und Hohenwarth als heimlicher
Hochburg. Gute 80 Hektar stehen am Wagram, 30 im Kamptal, 20 im Kremstal.
Kurioserweise stehen im Burgenland fast viermal so viel Rote-Veltliner-Stöcke
wie Furmint. (Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 1999 und stammen aus der
„Dokumentation Österreichischer Wein 2007“ der ÖWM.
Die Sorte ist empfindlich gegen Frost und Pilzkrankheiten; im Zusammenspiel mit
ihrer teilweise extremen Wüchsigkeit hat dies wahrscheinlich zum Rückzug
gegenüber dem Grünen Veltliner geführt.
Anmerkung: die Wüchsigkeit (durch falsche, zu intensive tiefe Bodenbearbeitung oder Massenklone) verursacht eigentlich die obengenannten Probleme, daher ist Biolog.Wirtschaftsweise der Ausweg, ähnlich wie unsere Vorfahren dies lange Jahrzehnte/Jahrhunderte gut im Griff hatten.